La dolce vita – Ein Ausflug in die Weinberge La Morras

Liebe Leser,

ich weiß nicht, ob ich es schon einmal erwähnt habe. Leider ist die Fotografie, wie ihr wisst, nicht mein Hauptberuf. Zum Glück! Denn das schönste Hobby der Welt würde mir sehr schnell keinen Spaß mehr machen, wenn ich nur noch ca. 10% meines Arbeitsalltags mit der Fotografie an sich verbringen dürfte und mich ansonsten mit Rechnungen, Steuern, Abschreibungen und Kundenwünschen rumschlagen müsste. Aber das Geld dafür muss ja auch irgendwie rein kommen. Zum Glück habe ich einen Job, der ab und an das Nützliche mit dem durchaus Angenehmen verbinden kann. Im Augenblick reise ich noch mehr als sonst. Verschlägt es mich normalerweise quer durch Deutschland, betreue ich im Augenblick ein internationales Projekt. Das heißt bis Februar 2016: Weltreise. Mehr oder weniger. Ich war im August und September bereits beruflich in New York unterwegs und habe ich einen Beitrag dazu vorbereitet. Im Dezember geht es voraussichtlich nach Malaysia und nächstes Jahr nach Singapur und in mein heißgeliebtes England! Im Augenblick bin ich allerdings in Bella Italia unterwegs und möchte ein paar der Dort gesammelten Eindrücke mit euch teilen. Genauer gesagt nehme ich euch mit auf eine Tour durch die Weinberge Piemonts!

DSC_0008Wir starten in Asti, einer mittelgroßen Stadt mitten in den Bergen, ca. eine Stunde von Turin entfernt. Meine Arbeitskollegin und ich haben ein wirklich traumhaft schönes Hotel in einem 600 Jahre alten Gutshaus gehabt, dessen Einrichtung eine gesunde Mischung aus „modernem“ Komfort und Museum war. Wir starteten den Tag also in einem alten Zimmer, von dessen Decke ein schmiedeeiserner Kronleuchter baumelte, der den schweren Tisch in warmes Licht tauchte. Der Himmel erstrahlte in einem zarten, noch leicht verschleierten Blau und der frische Kaffee (Espresso, natürlich) duftete mit dem frischen Obst um die Wette. Dazu gab es frisches Brot, verschiedene Sorten Honig (unter anderem Kastanie, der Wahnsinn!!!) und Kekse. Eine italienische Eigenart, Kekse zum Frühstück zu essen. Die Supermärkte sind voll davon. Die ganze Szene sah tatsächlich aus wie gemalt, was mich dazu inspirierte die Dekoration des Kaminsims zu fotografieren und wie ein Kunstwerk zu bearbeiten.

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Der Tag lockte uns dann aber doch schneller vor die Tür, als unsere reizende Gastgeberin „solo con Giotto“ hätte sagen können. Unser italienischer Kollege hatte uns bereits am Vorabend einige Tipps gegeben, wo man die Landschaft und vor allem natürlich den für diese Gegens so typischen Wein am besten genießen konnte.

Asti1Zuerst statteten wir der Cattedrale di Santa Maria Assunta in Asti einen Besuch ab. Zugegeben, von außen gesehen gibt sie nicht sonderlich viel her. Ist man jedoch erst einmal ins Innere der bereits im frühen 13. Jahrhundert erbauten Kathedrale getreten, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Nicht, weil man von glänzendem Gold und Weihrauchdämpfen erschlagen wird, sondern wegen des atemberaubenden „Ganzkörpertattoos“, welches das ehrwürdige Gemäuer ziert. Wir sind ganz Touri-Like mitten in die Heilige Messe geplatzt (oooups), weswegen ich die Kamera brav habe stecken lassen. Allerdings konnte ich es mir nicht nehmen lassen, das Handy verstohlen (und auf stumm, versteht sich) zu zücken und euch einen winzigen Eindruck von diesem Meisterwerk mitzubringen. Achso, ihr müsst es übrigens anklicken, dann wird es größer, das Bild.

Anschließend hieß es dann aber endlich „Der Berg ruft…“ Man muss wissen, dass ich ein Kind der See bin und der Inbegriff von Schönheit eigentlich eine aufgewühlte Nordsee mit schäumender Gischt ist. Seit diesem Wochenende muss ich aber neidlos anerkennen, dass auch Weinberge im Herbstlicht eine magische Ausstrahlung haben. Gefühlt jeder dritte Satz war ein eingeschobenes „Ach ist das schön!“ Wir ließen Asti hinter uns und nach wenigen km auch die Autobahn. Serpentinen und schier endlose Täler belohnten unseren Mut beinahe sofort.

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Unsere erste Pause gönnten wir uns in La Morra, einem winzigen Bergdorf mit gerade einmal 2.700 Einwohnern. Hoch oben thront die Stadt, was in steile, enge Gassen aber auch einer tollen Piazza am höchsten Punkt resultiert. Für uns Deutsche war es durchaus ungewöhnlich, am 1. November in T-Shirt und mit Sonnenbrille unterwegs zu sein, die Italiener hingegen schienen zu frieren. Jacken, Schals und Tücher dominierten das Bild. Gebrochen wurde es nur von den anderen Touristen, die die letzten warmen strahlen auf der Haut genossen. Versteckt in einem kleinen Hinterhof fanden wir ein ziemlich modernes Restaurant, allerdings mit ziemlich guter und irgendwie zumindest traditionell klingender Küche. Jelka und ich teilten uns ein lustiges Brokkoli-Kartoffel-Törtchen mit Fonduekäse (omnomnom), eine Schinkenplatte aus der Region und zum Nachtisch zwei in Rotwein und Zimt gekochte Birnen. Dazu gab es einen leichten, minimal prickelnden Weißwein aus Langhe, der Weinregion in der wir uns gerade befanden.

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Bestimmt zwei Stunden hielten wir uns dort auf, philosophierten über die Schönheit der Weinberge und über die Frage, warum es so schwer ist, überall so gutes Essen zu finden. Themen, die die Welt bewegen halt. Weiter ging es in Richtung Barolo, ein nur 6km entferntes Dörfchen, dass uns sehr ans Herz gelegt wurde. Scheinbar legte aber jeder, der sich einigermaßen in der Region auskannte, seinen Gästen/Freunden/Verwandten dieses Dorf ans Herz. Wir hielten nicht einmal an, da es so touristisch überlaufen war, das man aufpassen musste nicht versehentlich jemanden anzufahren. Die Sonne stand zunehmenden tiefer und tauchte die Berge in wunderschönes Licht. Es war also nur gut, dass wir uns sputeten und uns einen (oder zwei, oder drei) schönen Aussichtspunkt suchten.

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Die letzte Station auf unserer Reiseroute hieß Monforte d’Alba. Hatte ich La Morra bereits für steil und verwinkelt gehalten, wurde ich hier augenblicklich eines besseren belehrt. Mir stellt sich noch immer die Frage, wie die Leute sich hier im Winter auf den Beinen halten können. Faszinierend. Faszinierend war auch, dass genau gar keine komischen Leute durch die Stadt wanderten. Im Umkehrschluss waren wir natürlich die komischen Leute. Durch Zufall haben wir einen schönen Platz gefunden, an dem wir dabei zusehen konnten, wie die Sonne vollkommen hinter den Bergen versank. Das geht im übrigen schneller, als man annehmen mag. Ernsthaft. Wir dachtem wir könnten dort ganz gemütlich sitzen, so ein halbes Stündchen vielleicht. Und plötzlich… WEG! Da war sie einfach weg. Ein mal nicht hingeschaut und man hätte es verpasst. Gut, mussten wir uns also etwas anderes suchen, um noch ein bisschen zu entspannen. Auf der Suche nach einem netten Café krachselten wir zuerst den Berg hinauf, denn Jelka hatte da oben „was schönes“ gesehen. Wir zogen vorbei an farbenfrohen Häuschen und sattgrünen Büschen auf Kalkstein. Tolle Farbkombinationen, dass kann ich euch sage. Leider hatte das gesichtete Café bereits geschlossen (wer erwartet an einem Sonntagnachmittag im November schon Besuch). Dafür gab es andere, ausgesprochen schöne Dinge zu sehen.

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Also alles zurück auf Anfang und wieder runter. Da gab es nämlich ein Café, das gut besucht aussah. Wir zogen wieder einmal komische Blicke auf uns, als wir zu so einer gottlosen Uhrzeit Cappucino bestellten (der hier allerhöchstens vormittags getrunken wird), ließen es uns aber nicht nehmen genüsslich im Milchschaum zu schwelgen. Dann ging es zurück nach Asti, wo wir unseren italienischen Kollegen einsammeln sollten. Glücklicherweise waren wir etwas zu früh dran und so hatten wir die Gelegenheit, uns in eine kleine Bar zu setzen, Asti zu trinken (muss man ja wohl gemacht haben, wenn man in Asti ist) und ernsthaft Schnittchen serviert zu bekommen. Das Abendessen war also auch gerettet.

Was soll ich noch groß schreiben. Es war ein wunderschöner Tag voller „Ah!“, „Oh!“ und „Ist das schön!“. Dennoch war er wieder einmal mit einer Erkenntnis verbunden: Landschaften liegen mir nicht. Ja, es ist hübsch, natürlich. Aber ich bleibe doch lieber bei meinen Portraits. Natürlich habe ich davon auch welche gemacht an diesem Tag und wie immer habe ich mir das Beste für den Schluss aufgehoben.

Viele Grüße und bis bald!
Auri

Jelka
Jelka

 

Gianluca
Gianluca
Katze
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aurigraphy

Auri ist eine junge Fotografin, die es sich zur Aufgabe gemacht hat junge Paare, Designer und Privatpersonen auf dem Weg zu emotionalen Bildern, dynamischen Lookbooks und individuellen Portraits zu verhelfen.

2 Kommentare

  1. Ich kann dir nur zustimmen!
    Gott sei dank ist das Hobby nur ein Hobby. ich mache beruflich zwar etwas mit Fotografie, allerdings Gott sei Dank ein etwas anderer Bereich, als die pure Fotografie 🙂
    Gleichzeitig muss ich sagen, dass der Beruf durch das erlernen neuer Fotografie-Skills sich ordentlich in meinem Fotografieren einmischt.
    Ich hoffe du verstehst, was ich meine 🙂

    Lieben Gruß ♥

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Marie,
      oh ja ich weiß ganz genau was du meinst. Aber das ist eigentlich ja auch gut so. Aus- und Weiterbildung sind so unfassbar wichtig und können den persönlichen Stil sehr wohl zum Positiven beeinflussen. Solange man mit genug fachmännischem Auge aussortiert, was zu einem passt und was tatsächlich „nur“ Skill ist. Bei deinen Bildern ist die schöne Handschrift allerdings schon unverkennbar ❤

      Liebe Grüße,
      Auri

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