#droptheplus – Wrong lables must go!

Liebe Leser,

heute habe ich kein Foto für euch. Heute möchte ich einfach nur schreiben. Und zwar über eine Aktion, die mir seit längerer Zeit sehr am Herzen liegt und an die ich letzte Woche im den Schönheitsidealen dieser Welt nacheifernden Mailand überrascht wurde. Es handelt sich um die Aktion #droptheplus, die Anfang des Jahres vom australischen Model Steffania Ferrario gemeinsam mit ihren mehr als schönen Kolleginnen ins Leben gerufen wurde. Auslöser der Erinnerung war die italienische Unterwäschemarke Intimissimi, die eine wunderschöne, kurvige Frau auf den Fotos im Schaufenster hatte. Auf der Website finden sich zwar auch wieder nur extrem dünne Mädels, aber irgendwo muss man ja mal anfangen.

Aber ich schweife ab. Eigentlich wollte ich euch etwas über #droptheplus erzählen. Frauen auf der ganzen Welt leiden seit Jahren (vermutlich eher seit Jahrhunderten) unter den ständig wechselnden Schönheitsidealen, denen sie sich entweder anpassen oder verweigern können. Entkommen können wir aber scheinbar nicht. Besonders wenn es um das Thema Mode geht, wird deutlich wie abhängig wir sind. Die Industrie bezeichnet Frauen ab US Size 4 als Plus Size Models. Das Entspricht der deutschen Größe 32. Ich schreibe es noch einmal in Worte: ZWEIUNDDREIßIG! Wer soll denn da rein passen? Mädchen im Alter von 14 vielleicht, obwohl die heutzutage meist auch schon „zu viel“ Oberweite haben, um in eine 32 zu passen. Da kann man doch nur den Kopf drüber schütteln. Wenn man zusätzlich bedenkt, dass eine US Amerikanerin im Durchschnitt Größe 14 trägt (also eine gesunde 40), dann ist das alles noch absurder. Wir Deutschen Mädels rangieren im Schnitt übrigens eine 44. Und das bei einer Körpergröße von 1,65.

Es ist wichtig zu wissen, dass es bei #droptheplus nicht darum geht, schlanke oder gar dünne Modelle aus dem Business zu drängen. Ganz im Gegenteil! Schön ist, was gefällt. Es geht den Mädels viel mehr darum, das Stigma der (de facto nicht vorhandenen) Übergröße ein für alle Mal in die antiquierte Schublade zu verbannen, aus der er in den frühen 20er Jahren gekommen ist.

Und es ist auch noch gar nicht so lange her, dass Ikonen wie Marilyn Monroe oder Betty Page die Herzen der Männer- und Modewelt haben höher schlagen lassen. Was ist nur passiert? Frauen mit Kurven sind so schön! Sie sind ebenso Modelle wie die hochgelobten Laufsteggöttinnen Adriana Lima oder Doutzen Kroes. Es gibt keinen Unterschied, warum sie also anders bezeichnen? „I am a Model“ steht groß auf den ebenso definierten Bäuchen der Schönheiten. Es ist nur mehr Platz um es zu schreiben.

Das Schlimmste aber ist, dass die Modeindustrie sich selbst belügt. So werden für den Katalog eines großen Modehauses regelmäßig Kleider in Größe 38 zum Shoot bestellt. Und dann wird geklammert, getrickst und geshoppt wo es nur geht. Wenn die 0-8-15-Frau dann später im Laden steht und „das Teil“ anhat, sieht es NATÜRLICH nicht so aus, wie an der Frau im Prospekt. Wieder ein kleiner Stich mitten in unser so hart erarbeitetes Selbstbewusstsein.

Ich weiß, dieser Beitrag wird nichts ändern und ich weiß, dass viele sagen die Industrie „funktioniere nun einmal so“. Aber dennoch war es mir wichtig, euch auf #droptheplus aufmerksam zu machen. Wer weiß, vielleicht bringt es ja eines Tages doch etwas. Und was ist so schlimm daran, in den Läden die „Plus Size“ Abteilungen zu streichen und die Klamotten in die „normalen“ Kleidungsabteilungen zu integrieren?

Auf twitter und instagram gibt es übrigens viele tolle Beiträge zu diesem Thema. Schaut doch auch dort mal vorbei und lasst euch inspirieren! Es gibt viele unfassbar schöne Fotos und Gedanken, die ihr euch nicht entgehen lassen solltet.

Ich schwinge meinen Plus-Size-38-Hintern jetzt übrigens zum Frühstück. Croissants, Nutella und das gute Leben erwarten mich.

Viele Grüße,

Auri

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aurigraphy

Auri ist eine junge Fotografin, die es sich zur Aufgabe gemacht hat junge Paare, Designer und Privatpersonen auf dem Weg zu emotionalen Bildern, dynamischen Lookbooks und individuellen Portraits zu verhelfen.

2 Kommentare

  1. Hallo 🙂
    Interessanter Artikel. Vor allem wenn man das als Mann liest. Ich hab von all dem keinen Schimmer, mich haben solche Sachen bisher auch eher weniger interessiert. Mir ist es relativ egal ob jemand jetzt dünn wie ein Brett ist oder ein bisschen mehr auf den Rippen hat. Immerhin brauch man ja auch was zum Halten. 🙂

    LG
    Cedric

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Cedric,

      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Ich glaube nicht nur Männer, auch Frauen denken darüber gar nicht so viel nach. In der normalen Werbung etc. sieht man ja selten Spots für irgendeine Ware die mit dem Attribut „Plus Size“ in Verbindung gebracht werden könnte. Ich bin auch ein ganz klarer Verfechter des Mottos „Kurven statt Knochen“, aber das steht auf einem anderen Blatt 🙂

      Viele Grüße,
      Auri

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